boomshop.net direkt

audiovisuelle medien

gliesmaroder strasse 9
D-38106 braunschweig

tel: +49 (0)531-3499-270
fax: +49 (0)531-3499-272

Verlagsgründung - boomshop.net

Verlagsgründung


So......da ich es irgendwann mal angekündigt habe und es mir deswegen nicht mehr aus dem Kopf geht (das kleine Gewissensmännchen nervt ) heiße ich heute Euch Willkommen zum Thema:

So gründet man einen Verlag....



Dieses Thema dürfte sicher nur die Cracks unter Euch interessieren, deshalb der Rat an alle, die newcomermäßig im Ü-Raum Ihren ersten Auftritt vorbereiten: Schnell weg und den threat wechseln, es wird knochentrocken und langweilig


Fuer die Musiker unter Euch die schon etwas weiter sind, für die Auftritte zum Pflichtprogramm gehören und vielleicht auch Ihr Geld mit Ihrer Musik schaufeln, denen sei empfohlen: Aufgemerkt!!

Denn entweder Ihr habt schon erste Veröffentlichungen nachzuweisen und seid dann auch unter Verlagsvertrag, Ihr bewerbt Euch bei Plattenfirmen und Verlagen und bekommt nur Absagen oder Ihr steht kurz davor einen Vertrag zu unterschreiben und fragt Euch, wieso und weshalb verdammt noch mal brauche ich eigentlich einen Verlag?



Nun, wer bis hier noch nicht schreiend weggeklickt hat, weiß sicher welche Aufgaben zu einem Verlag gehören (wenn nicht, sei versprochen, dass ich demnächst nen Workshop dazu veröffentliche...).

Kurz, knapp und deswegen natürlich unvollständig angerissen sind diese eigentlich nur, die Werke seiner Vertragspartner (Urheber, also Komponisten und Texter) bei der GEMA anzumelden, den Tantiemenverkehr zwischen GEMA und Urheber zu gewährleisten (also Konto einrichten und alle halbe Jahr ne Überweisung nach Abstrich der eigenen Punkte an die Urheber einleiten) und Notenblätter der Werke drucken zu lassen um sie zu verkaufen. (*lööööl*, das war mal irgendwann im letzten Jahrtausend Gang und Gebe, da haben die Verlage damit tatsächlich Ihr Geld gemacht ).

Dass das natürlich ein bissel wenig für durchschnittlich 40% der gesamten GEMA-Tantiemen ist, weiß inzwischen auch der kohlengierigste Onkel Dagobert und deshalb sehen sich Verlage heutzutage u.a. auch mehr und mehr als ne Art Vermittler zwischen den Künstlern und dem restlichen professionellen Business.

In anderen Worten: Oft werden Nachwuchsbands oder –interpreten von Verlagen unter Vertrag genommen, um dann in einem vom Verlag ausgesuchtem Studio produziert zu werden
(vielleicht auch noch im eigenen Verlagsstudio um sich dann noch Bearbeitungs- und die Produzentenpunkte von der Produktion reinzureißen ) und diese Produktion dann auf dem Markt bei z.B. Plattenfirmen anzubieten und eine Zusammenarbeit anzustreben.

Deshalb sind Verlage auch gut und wichtig, vorausgesetzt der Verlag heißt Ufa-BMG, EMI-Music, Polygram Songs oder Progressiv-Publishing da ist der Major-Deal dann schon fast in der Tasche, oder aber der Verlag hat wenigsten saugute Kontakte zu Branche (aber –hey- es wird auch echt viel gelabert, wenn der Tag lang ist ).

Hat aber eine Plattenfirma schon Interesse an einer Zusammenarbeit mit Euch angekündigt oder aber Ihr kriegt Eurer Material einfach nicht bei einem Verlag an den Start, so besteht natürlich die Möglichkeit, sein eigener Publisher zu werden.

Wozu braucht man wohl noch einen Verlag, wenn die Vertriebswege und Promoaktivitäten schon von einem Label gesichert sind? Nur um noch einer Firma über ein Drittel seiner zu Erwartenden Tantiemen aus Airplay und Abverkäufen in den Rachen zu werfen? Um dann Notenblätter drucken zu lassen??

„Nö nö“, ist die berechtigte Reaktion eines jeden klar denkenden Wirtschafters..., „Dagegen hilft nur eins: Wir gründen jetzt unseren eigenen Verlag und wenn tatsächlich mal nen großer Publisher die Taschen für uns aufmachen will, dann kriegen wir wenigstens einen Teil der Verlagspunkte mit ab...“


Großartige Idee. Um diese zu realisieren, hier nun eine Anleitung wie man stressfrei einen solchen aus dem Boden stampft.




Zuerst sei gesagt, einen Verlag zu gründen ist absolut easy aber natürlich mit Kosten verbunden. Deshalb rate ich noch mal allen Musikern die noch am Anfang Ihrer Kariere stehen: Kommt bloß nicht auf die Idee jetzt einen Verlag zu gründen, weil es dann professioneller aussieht und man sich als „Großer“ fuehlen kann...
Das ist denkbar unnötig, viel wichtiger ist es, dass Ihr weiter gute Musik schreibt und diese dann erst mal einem kreischenden Publikum vorstellt. Damit habt Ihr erst mal genug zu tun



Fuer alle Anderen wurde nun genug gelabert, jetzt geht’s an die Materie:

Zuallererst müsst Ihr bei der GEMA in Berlin anrufen (Tel: 030-21245-00) und einen Aufnahmeantrag für Musikverleger erbitten. Fragt bei der Gelegenheit gleich, ob Euer ausgedachter Firmenname ( „Ruck-Zuck-Dick-Publish“ oder „Musik for nothing-Verlag“ ) auch noch nicht vergeben ist, die GEMA ist zu dieser Aussage verpflichtet und es erspart ne Menge Nerven, wenn der Name schon von wem anders verwendet wird.

Dann solltet Ihr (wenn nicht schon gemacht) zum Ordnungsamt und den Verlag gewerblich anmelden. Das ist aber ab da mit steuertechnischen Veränderungen verbunden, unbedingt noch Fachmänner/-frauen zu Rate ziehen!!!

Beim Musikverlegerverband (Deutscher Musikverlegerverband e.V., Friedrich-Wilhelm-Straße 31, 53113 Bonn) könnt Ihr schon mal handelsüblich Verlagsvertrags-Vordrucke anfordern um dann mit den Urhebern die Ihr verlegen wollt, Verträge zu schließen. Das könnt natürlich auch Ihr selbst sein, die GEMA muß halt nur gültig unterschriebene Verlagsverträge vorliegen haben damit klar ist, dass Ihr auch Aufgaben eines Verlages tätigt. Dazu gehört z.B. Urheber zu verlegen und entsprechende Verträge mit Ihnen zu haben *logisch*



So und jetzt geht es das erste Mal richtig an den Geldbeutel (die 50,- DM fuer die Gewerbeanmeldung beim Ordnungsamt rechne ich jetzt mal nicht mit ein...)

Um von der GEMA als Verlag anerkannt zu werden muss eine Grundvoraussetzung erfüllt werden nämlich der angesprochene Notendruck.

Unglaublich aber wahr, um der GEMA glaubhaft zu unterbreiten, dass man jetzt Verlag ist/sein möchte, müssen Auflagen von vor wasweissich für viele hundert Jahren erfüllt werden. Aber egal, wie gesagt es müssen Noten von mind. zwei Werken der Künstlern, die Ihr unter Vertrag habt „gestochen“, also auf Papier gebracht werden, in je doppelter Ausführung her.

Fangt jetzt bitte nicht an, die Noten über ein schlaues Programm umrechnen zu lassen und dann auf Papier zu drucken, das funzt Hundertprozentig nicht!!! Die GEMA will nämlich richtiges Notenpapier, also mit richtigem Layout, Satzspiegel und vor allem dem richtigen Format. Die Notenpapiere muessen sich nämlich notfalls von einem Dirigenten auf seinem Notenblattständer so umblättern lassen können, dass sie nicht zurückblättern und auf einen Blick zu erkennen sind.

Also: Ihr schickt Euer Arrangement des Songs (am besten in Klavierform) zum Notenstecher. Die Klavierausgabe besteht aus drei Notenlinien-Systemen: Der Gesangsmelodie unter der dann auch der Text des Songs steht, der eigentlichen Klavierlinie (Akkorde, Harmonien) und der Basslinie.

Einfacher ausgedrückt...
Ihr schickt Eure beiden Titel (am besten die, die nicht lünger als 3-4 min. dauern, Kostenfaktor!) an eine Notenstecherei und diese dann jeweils zwei Ausgaben der Songs auf Notenpapier wieder an Euch zurück.

Kosten für zwei „normal“ lange Songs in doppelter Ausfertigung liegen bei ca. 400 bis 500 DM.


Und das wars im Großen und Ganzen auch schon (wer hätte es gedacht, geht auch mal locker )




Ihr sendet also die zwei doppelten Ausgaben Eurer Notenblätter, zwei Titelverlagsverträge, eine Kopie Eures Gewerbescheins und den ausgefüllten Aufnahmeantrag für Verleger plus den zwei Titelvertägen mit den Urhebern der Werke zur GEMA und habt die wesentlichen Punkte schon erfüllt.

Jetzt braucht Ihr nur noch dafür zu sorgen, dass Eure Verlagswerke öffentlich aufgeführt, gesendet oder auf Ton- oder Bildträger vervielfältigt und verbreitet worden sind...
Also einfach ein paar Konzerte angeben auf denen die Songs gespielt wurden oder, wenn schon da, die frisch gepresste CD mit den Titeln der GEMA angeben oder gleich mit bei packen.....


Wenn Ihr dann noch 200,- DM Aufnahmegebühr und 50,- DM Jahresbeitrag aufs GEMA-Konto überweist und die Kopie des Überweisungsträgers mit beilegt, könnt Ihr Euch nach einer gewissen Wartezeit glücklich und ehrlich „Musikverleger“ nennen!!!




Tja, auch wenn man es nicht glauben will oder kann: So einfach kann das Leben auch mal sein....


Ich sende Euch jedenfalls noch „boomende“ Grüße und lasst es Euch weiter gut gehen........Martin

servicecenter suche sitemap impressum AGB